Tour 2: Kreml | 4Walks
Tour 2: Kreml
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Tour 2: Kreml

Wenn der Kreml zum Pflichtprogramm einer Moskau-Reise zählt, dann nicht nur, weil die goldenen Kuppeln seiner Kathedralen um die Wette strahlen, weil die Schätze im Diamantenfonds den Atem rauben oder weil der Kreml die politische Schaltzentrale des Landes ist. Was den Kreml so einzigartig macht, sind 860 Jahre russische Geschichte, die in seinen Bauten und Museen lebendig werden. Tauchen Sie ein, ganz tief, es lohnt sich! „Wo ist denn hier der Kreml?“, fragte Lew Rubinschtejn, der spätere Dichter, als Kind seine Mutter. Dass er sich just in diesem Moment im Kreml befand, durchschaute er nicht, zu diffus war sein Verständnis vom Wesen des Kreml. So wie ihm ergeht es vielen Besuchern der Stadt. Jeder hat vom Kreml gehört, jeder weiß, dass er in Moskau liegt und irgendwie bedeutsam ist - eine konkrete Vorstellung von ihm aber hat kaum jemand. Was also ist der Kreml? Zunächst: Nicht nur Moskau hat einen Kreml, sondern viele alte russische Städte. Kreml ist somit kein Eigenname. Ein Kreml ist eine befestigte Anlage, meist erhöht gelegen, die anfangs der Verteidigung, später zunehmend der Repräsentation diente. Von allen russischen Kremlanlagen ist die Moskauer die berühmteste, größte und prachtvollste. Das annähernd dreieckige Areal umfasst 28 ha und ist von einer mächtigen scharlachroten Mauer umgeben. Im Innern reiht sich ein imposantes Bauwerk ans nächste: Weiß getünchte Kathedralen, bekrönt von einem Meer aus goldenen Kuppeln, zeugen vom einstigen Stellenwert der russisch-orthodoxen Kirche. Habsburgergelbe Paläste - anfangs Heimat von Zar und Hofstaat, später Schaltzentralen der kommunistischen Weltmacht - beherbergen heute Verwaltungsbehörden, darunter den Amtssitz des russischen Präsidenten. An jeder Ecke ist zu spüren: Nicht weniger als das Herz von Russland, das war und ist der Kreml. Die Anfänge der Festung sind identisch mit den Anfängen der Stadt Moskau. Laut Chronik beschließt Juri Dolgoruki im Jahr 1156, auf dem Hügel am Zusammenfluss von Moskwa und Neglinnaja „eine Stadt aus Holz“ zu errichten. Sie wird umschlossen von einem 7 m hohen Wall, den eine hölzerne Palisade krönt. In den folgenden Jahrhunderten dehnt sich der Kreml aus, das Material der Befestigungen verbessert sich dabei stetig: An die Stelle der Holzpalisade treten massive Eichenstämme. Auf diese folgt eine Kalksteinmauer und schließlich - gegen Ende des 15. Jh. - eine Mauer aus stabilem Ziegelstein. Etwa zeitgleich entstehen die Sakralbauten, die sich bis heute um den Kathedralenplatz gruppieren. Iwan III. will mit ihnen seine politischen Erfolge krönen. Er beauftragt italienische Baumeister, seine Visionen in steinerne Pracht umzuwandeln. Vor ihrer Kulisse finden fortan alle wichtigen Ereignisse statt, von kirchlichen Prozessionen über Krönungsfeiern bis hin zu Begräbniszeremonien. Das bedeutendste Gotteshaus des Landes ist die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale: Sämtliche Zaren werden in ihr gekrönt - auch in den 200 Jahren, als Moskau den Hauptstadtstatus an St. Petersburg abtreten muss. Dass der Kreml in dieser Zeit nicht an Anziehungskraft einbüßt, bestätigt sich im Jahr 1812: Als Napoleon mit seinen Truppen gen Russland zieht, hat er nicht etwa den Winterpalast in St. Petersburg, sondern den Moskauer Kreml zum Ziel. Die Kommunisten erheben den Kreml ab 1917 erneut zum politischen Mittelpunkt des Landes. Einige Klöster, Kapellen und Kirchen lassen sie niederreißen. Die großen Kathedralen werden geschlossen und später als Museen eröffnet. Orientirung Bevor Sie den Kreml besuchen, sollten Sie aufmerksam die praktischen Infos am Ende des Kapitels lesen, insbesondere die zu den unterschiedlichen Ticketvarianten. Sofern Sie ein Standardticket erworben haben (was für den Anfang empfehlenswert ist), betreten Sie den Kreml am besten durch den rot-weißen Kutafja-Turm am Alexandergarten. Zu erreichen ist er am schnellsten über die Metrostation Biblioteka imeni Lenina (Treppe in der Mitte des Saales hoch, dann den Schildern Richtung Александровский сад folgen). Weitere Stationen befinden sich in Laufweite. Im Innern des Kreml liegen die einzelnen Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum beieinander. Sie können diese in beliebiger Reihenfolge besichtigen oder sich an die auf der Karte eingezeichnete Tour halten. Beachten sollten Sie, dass nur ein Bruchteil der Kremlbauten für Besucher zugänglich ist. Der große Rest kann bloß von außen betrachtet werden. Hinzu kommt, dass etwa ein Drittel des Geländes für Besucher gesperrt ist. Wer unerlaubtes Terrain betritt - zu erkennen an den weißen Markierungen auf dem Asphalt -, macht schnell Bekanntschaft mit den Trillerpfeifen der Wachmänner. Ausgänge befinden sich am Borowizki-Torturm, am Erlösertorturm sowie am Kutafja-Turm.

Datum: 
Mittwoch, August 5, 2015 - 15:00
Bilder: 
Dauer: 
0 Sek.
Preis: 
500,00 RUB